Die traditionelle Frühjahrsprozession am St.-Markustag, bei der um günstiges Wetter und ein gutes Gedeihen der Feldfrüchte gefleht wurde, hatte in Verne einen alten Baum in den Feldern am Südrand des Dorfes zum Ziel, die sog. „Esbecksche oder Esper Linde“. Die Prozession zur Linde wird bereits 1750 in den Aufzeichnungen eines Verner Pastors erwähnt. An die Linde selbst erinnert im Urriß die Flurbezeichnung „bei der Esbeckschen Linde“ und die „Esbecksche Lindentrift“, ein Weg, der vor der Separation den Schlingweg mit dem Dreihochwürdenweg (heute „Zum Brünneken“) verband, wobei sich die Linde am Abzweig vom Schlingweg befand. Der Name des Baumes geht vermutlich auf die untergegangene Ortschaft Esperike zurück.
Zumindest seit 1829 stand im Schatten der Linde auch eine kleine Kapelle. Die Kapelle hat ein kuppelartig gewölbtes Dach aus Eichensplissen, „die wie Fassdauben leicht gebogen und zu einem Kegeldach zusammengefügt wurden“ (P. Michels, Baum und Bildstock“, Die Warte, Sept. 1936, S. 172ff.). Im Sturzbalken befand sich folgende Inschrift:
„EREKTUM A JOHANNES LANGEHENKE ET GERTRUD PEITZ ANNO 1829 SOLI DIE GLORIA DEN 21. MARTII“ (ib.)
Zu Beginn unseres Jahrhunderts muss die kleine Kapelle bereits in ziemlich schlechtem Zustand gewesen sein, denn Aloys Langehenke gelobte, als er in den Ersten Weltkrieg ziehen musste, sie ausbessern zu lassen, falls er die Heimat heil wiedersehen sollte. Die wirtschaftlich schweren Zeiten nach dem Krieg waren schuld daran, dass er dieses Vorhaben erst 1938 ausführen konnte. Inzwischen war die alte Kapelle jedoch so baufällig geworden, dass er sich entschloss, sie durch einen Neubau zu ersetzen. Die heutige Markus-Kapelle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom Schwiegersohn des Aloys Langehenke als Gedenkstätte für die Gefallenen der Familie eingerichtet.